Die Heilkunde der Hildegard von Bingen
Warum sind viele - vor allem kräuterkundige - Menschen in der heutigen Zeit von der Individualität der Hildegard von Bingen fasziniert? Hildegard von Bingen war Klausnerin, d. h. sie lebte bereits als Mädchen und junge Frau lange Zeit in äußerster Abgeschiedenheit in einem Kloster. Sie gründete und führte als Äbtissin über viele Jahre ein Frauenkloster. Sie war Anthropologin, Natur- und Heilkundige und gehört zu den Deutschen Mystikern. Sie verfasste viele Schriften, darunter die Physica (Heilsame Schöpfung - die natürliche Wirkkraft der Dinge und Liber Scivias - Wisse die Wege u. a.). Wie hat ihre Heilkunde, die sie im 12. Jahrhundert aus verschiedenen Quellen zusammentrug und der Welt zugängig machte, unsere heutige Heilkunde geprägt?
Es ist bekannt, dass sie Visionen, Imaginationen aus der geistigen Welt empfing, diese auch schriftlich verfasste und somit der Nachwelt hinterließ. Wie sind diese Visionen in einer Zeit aufzufassen, in der der Verstand, der Intellekt mehr zählt, als gefühlsmäßige und spirituelle Eingebungen und Erfahrungen? Immer mehr Menschen spüren, dass es andere Bereiche, Ebenen, Frequenzen gibt (um heute gängige Begriffe zu verwenden), als die Welt der sinnlichen Wahrnehmung.
In diesem Seminar wollen wir uns der Individualität Hildegard von Bingens nähern und ihr Wirken und Sein in den damaligen zeitlichen, weltlichen und spirituellen Kontext stellen. Hildegard von Bingen lebte in einer großen Aufbruchszeit - wir werden einige Parallelen zu unserer heutigen Zeit feststellen. Es gab einen eindringlichen Auftrag, den sie zu erfüllen hatte. Dieser Auftrag, dieser Ruf, ein Aufwachruf, möchte man schon behaupten, erging nicht nur an sie. Eine andere Individualität, ein Zeitgenosse und spiritueller Begleiter von Hildegard - Bernhard von Clairvaux - wird ebenso in unser Seminar eingewoben. Von ihm ging die Strömung der Zisterzienser aus. Was war deren Auftrag? Wie setzten sie diesen um und wie können wir die damals gesetzten Impulse erneut aufnehmen und wirksam werden lassen? Manch aufgegangener Same ist in der heutigen Zeit bei genauerer Betrachtung offensichtlich.
Was hat dies nun mit der Kräuterheilkunde zu tun? Mit dem holistischen Blick sehr vieles und entscheidendes. Es ist der holistische Blick auf den Menschen, auf die Vorgänge in der physischen Welt, das Beobachten der Naturgegegenheiten, bevor die Naturwissenschaft diese mit anderen Mitteln betrachtete und Gesetze daraus ableitete. Es ist gleichsam der Blick in die spirituelle Welt, die Welt der Seele und des Geistes. Dieses nun wieder im holistischen Sinne zusammenzuführen, dazu kann uns die tiefere Beschäftigung mit der damaligen Zeit und ihren Gelehrten helfen.
Ich bin mir sicher, dass heute viele der Samen aufgehen, die damals gesät wurden. Und dafür braucht es die "viriditas".

